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„Mich hat die Arbeit niemals angestrengt.“

Sylvia und Peter

Rentner, Woltersdorf

Die 66-jährige Sylvia und der 72-jährige Peter haben ihr ganzes Berufsleben lang gearbeitet. Heute sind die beiden seit 47 Jahren verheiratet, Rentner und leben in einem Vorort im Grünen.

An den ersten warmen Tagen des Jahres zeigt sich Sylvias und Peters Garten hinter dem Haus von seiner schönsten Seite. Überall laden Liegen, Stühle, Tische, Bänke und Sonnenschirme ein, den ganzen Tag lang im Freien zu verbringen. Hier hat sich ein Rentnerpaar mit viel Liebe ein schönes Zuhause geschaffen. Der Weg in den Ruhestand verlief streckenweise unruhig. „Wir sind beruflich einmal falsch abgebogen“, erzählt Peter, wird dann aber charmant von seiner Frau unterbrochen. „Dazu kommen wir später. Jetzt erzählen wir erst einmal der Reihe nach.“

„Mich hat die Arbeit niemals angestrengt.“

Sylvia hat sich schon als 14-jährige mit Aushilfsjobs in der Gastronomie ihr Taschengeld aufgebessert. Mit 18 Jahren begann sie dann in einem Berliner Hotel in der DDR ihre Ausbildung als Kellnerin. An diese Zeit erinnert sie sich gern: „Wir hatten als Kellner Kontakt zu internationalem Publikum, haben relativ gut verdient und ich hatte einen tollen Chef.“ Sie knufft ihren Mann in die Seite. Beide lachen, man merkt ihnen an, dass sie diese Geschichte nicht zum ersten Mal erzählen. Aus der Zusammenarbeit wurde erst Liebe, dann eine Ehe und schnell eine Familie. Die erste gemeinsame Wohnung bekamen sie von ihrem gemeinsamen Arbeitgeber zur Verfügung gestellt.

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„Wir sind beruflich einmal falsch abgebogen“

- Peter

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„Wir sind beruflich einmal falsch abgebogen“

- Peter

„Noch früher ins Berufsleben einzusteigen, war eigentlich gar nicht möglich.“

Peters beruflicher Einstieg in die Gastronomie begann schon mit seiner Geburt. „Ich war keine Hausgeburt. Ich war eine Gasthausgeburt“, erzählt er fröhlich. Seine Familie kam aus Schlesien nach Sachsen-Anhalt. Peter erinnert sich an eine schöne Jugend, der beim Eintritt ins Erwachsenenleben ein Stein in den Weg gerollt wurde. „Als Gaststättenbesitzer galten meine Eltern als Selbständige. Ich war also kein Arbeiterkind, durfte kein Abitur machen und nicht mein Wunschstudium im Tiefbau beginnen“, erzählt Peter. Stattdessen ging es nach der Schule erst einmal zur Marine. Und danach? Peter lacht: „Mein Vater hat mir doch sehr nahe gelegt die Gastronomie-Fachschule zu besuchen und damit auch eine lange Familientradition fortzusetzen.“ Nach der Ausbildung wurde er Kellner, Oberkellner – und irgendwann dann zusätzlich noch Sylvias Ehemann.

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Der Weg in die Rente kann auch schon mal steinig sein

„Jetzt kommen wir an die Stelle, an der wir falsch abgebogen sind“, berichtet Peter. Weil es die beiden damals mit ihrer kleinen Familie aus Berlin zurück in den Ort zog, in dem er aufgewachsen war, machten sie sich in Woltersdorf selbstständig. Doch einen Gemüseladen zu eröffnen und zu betreiben, hört sich einfacher an, als es ist. „Wir haben uns falsch informiert, dann falsch investiert und nach der Wende hat ein großer Supermarkt bei uns im Ort das Gemüse billiger verkauft, als wir es einkaufen konnten“, erinnert sich Sylvia. Der Laden wurde geschlossen und Sylvia schulte zur Bürofachkraft um. Einfach so? Schluss mit der Gastronomie? Peter erklärt mit einem Seitenblick auf seine Frau lachend: „Meine Frau macht alles, was sie macht, gern. Egal, was das ist, Staubwischen, mit mir meckern oder eben einen völlig neuen Beruf erlernen.“ Mit der positiven Energie, die Sylvia schon immer auszeichnet, hat sie dann 23 Jahre lang in einem Unternehmen der Chirurgiemechanik alle administrativen Abläufe organisiert.

Wer selber stark ist, kann auch für andere stark sein.

Haben sich die beiden in der Zeit ihres Zusammenlebens auch einmal Gedanken über ihre Rente gemacht? „Kaum,“ sagt Peter, „damals in der DDR war das eigentlich nicht wirklich ein Thema. Und dann gab es in den 70er Jahren ja die Möglichkeit, die freiwillige Zusatzrente abzuschließen. Das haben wir dann auch gleich gemacht.“ Sylvia ergänzt noch „Ich kam erstmalig als Betriebsratsvorsitzende damit in Berührung. Da gehörte es auch zu meinen Aufgaben, Mitarbeiter in ihre Rente zu begleiten.“ Andere Aufgaben, die Sylvia über Jahre angepackt hat, verdienen großen Respekt. Wenn sie darüber erzählt, klingt das so selbstverständlich und bescheiden, dass man sich schnell fragt, wie man selbst diese Herausforderungen angenommen hätte. In den letzten sechs Jahren ihres Lebens wohnte Peters Mutter bei den beiden im Haus und wurde dort von Sylvia gepflegt. Nachdem Sylvias Mutter krank wurde, haben Peter und Sylvia auch sie aufgenommen. 10 Jahre lang hat sich dann Sylvia um ihre eigene Mutter gekümmert. „Als dann meine Tante erkrankte, habe ich ihr in unserer Nähe einen Heimplatz besorgt. Und wo arbeite ich jetzt noch ein bisschen, obwohl ich ja schon Rentnerin bin?“ Jetzt müssen beide grinsen. „In dem Heim, in dem meine Tante wohnt.“

Über die Altersrente

Altersrente können fast alle bekommen, die rentenversicherungspflichtig tätig waren oder freiwillig eingezahlt haben. Denn es genügen bereits fünf Jahre Mindestversicherungszeit als Voraussetzung. Außerdem muss ein bestimmtes Alter erreicht werden. Diese Altersgrenze steigt seit 2012 stufenweise von 65 Jahre auf 67 Jahre an. Ein entscheidender Grund hierfür ist die längere Lebenserwartung.

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