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„Ohne die Halbwaisenrente hätte ich mein Studium niemals finanzieren können.“

Johanna

Sozialarbeiterin, Berlin

Johannas Vater starb früh. Von ihrem dritten bis zum 27. Lebensjahr bekam sie Halbwaisenrente.

„Woher die Halbwaisenrente eigentlich kam, war mir lange nicht klar.“

Johanna ist viel unterwegs, trifft sich mit Freunden oder besucht ihre Familie. Wenn sie mal zuhause ist, guckt sie gerne Serien. Dass sie gerade die Staffeln von „Friends“ und „Gilmore Girls“ zu ihren Lieblingsserien zählt, hat viel mit ihrer Kindheit zu tun. Immer geht es um viele Menschen, Freunde und Familienmitglieder, deren Tage nie eintönig sind. Immer ist was los, immer gibt es was zu erleben und zu erzählen.

Wie geht es weiter, wenn der Vater stirbt?

Aufgewachsen mit einer Zwillingsschwester und einer jüngeren Schwester war Johanna dreieinhalb Jahre alt, als der Vater starb. Erinnerungen an diese Zeit hat sie keine mehr. Den neuen Partner ihrer Mutter nennt Johanna beim Vornamen. Durch ihn wuchs die Familie. Johanna und ihre beiden Schwestern bekamen noch eine weitere Schwester hinzu.

Nach der Schule entschied Johanna sich für ein Studium der Erziehungswissenschaften. Ihr gefiel es, mit Kindern zusammen und für sie da zu sein. Ihre eigene Kindheit war da sicher prägend. Ihre akademische Ausbildung beendete Johanna dann mit dem Master-Abschluss.

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„Wir sind vier Schwestern. Für meine Mutter waren das vier Ausbildungen, die bezahlt werden mussten.“

- Johanna

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„Wir sind vier Schwestern. Für meine Mutter waren das vier Ausbildungen, die bezahlt werden mussten.“

- Johanna

Wie geht es weiter, wenn der Vater stirbt?
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Woher kam das Geld für ein sechsjähriges Studium?

„Wir sind vier Schwestern. Das war toll für uns. Für meine Mutter waren das vier Ausbildungen, die bezahlt werden mussten“, fasst Johanna die Herausforderungen ihrer Jugend zusammen. Johanna konnte für die Finanzierung ihres Studiums auf mehrere Säulen bauen. Sie jobbte und sie bekam BaFög, dann überließ ihre Mutter ihr zu Beginn des Studiums das Kindergeld, und die Deutsche Rentenversicherung überwies ihr bis zum Ende ihrer Ausbildung die Halbwaisenrente.

„Ohne diese Unterstützung“, weiß Johanna, „wäre es mir nicht möglich gewesen zu studieren. Die Halbwaisenrente nahm mir aber nicht nur die Sorge um die Finanzierung meiner Ausbildung. Ohne diese Rente hätte ich mir viel, viel mehr Gedanken um meine Mutter machen müssen, die hätte die Ausbildung niemals finanzieren können.“

Woher diese Rente nun genau kam, war ihr lange nicht klar. „Mit dem Begriff der Rentenversicherung verband ich lange kein inneres Bild“, berichtet Johanna von früher. „Und Halbwaisenrente, ist ja auch kein schöner Begriff, aber sie hat halt geholfen, dass ich ein schöneres Leben führen konnte.“

In den beiden ersten Jahren des Studiums wohnte Johanna noch zuhause, dann ging es in eine Wohngemeinschaft. Aber nach fast sechs Jahren begann ein neuer Lebensabschnitt. Johanna fand eine kleine Wohnung, ganz für sich allein. Und sie fand eine feste Anstellung in einem Bereich, den sie sich immer gewünscht hatte. Jetzt arbeitet sie bei einem Verein in Berlin, der sozialmedizinische Begleitung für Familien mit frühgeborenen oder chronisch kranken Kindern bietet, die aus der Klinik nach Hause kommen.

Nicht jeder, der Hilfe braucht, akzeptiert das.

„Meist treffe ich im Laufe meines Arbeitstages auf Familien, die sehr froh sind, Hilfe und Unterstützung zu bekommen. Es geht aber auch anders. Einige Familien, zu denen sie beispielsweise vom Jugendamt geschickt wird, müssen häufig erst in Gesprächen davon überzeugt werden, dass sie Hilfe brauchen.

Wie schafft es eine 28-jährige nun, mit all den nicht immer schönen Geschichten, die sie auf ihren Besuchen in Marzahn-Hellersdorf und Neukölln erlebt, umzugehen? „Feierabend ist Feierabend“, tut Johanna diese Frage ab. „Ich lasse diese Geschichten nicht an mich heran und kann ganz gut abschalten.“ Sie hat viele Freunde, die sie häufig trifft und sie geht zum Sport. Da bleibt überhaupt keine Zeit für graue Gedanken. Die Bestandsaufnahme ihres bisherigen Lebens hat Johanna gezeigt, worauf es ankommt: „Im Leben ist das soziale Netzwerk das wichtigste. Mit dieser Erkenntnis, so habe ich mir fest vorgenommen, werde ich auch meine Zukunft gestalten.“

Über die Halbwaisenrente

Eine Halbwaisenrente wird Kindern gezahlt, die einen Elternteil verloren haben. Sie bekommen diese Rente von der Deutschen Rentenversicherung bis zu ihrem 18. Lebensjahr. Machen die Kinder eine Ausbildung oder ein Studium, bekommen sie die Rente bis zu ihrem 27. Lebensjahr. Bei Halbwaisen beträgt die Rente 10 Prozent vom Rentenanspruch des verstorbenen Elternteils.

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